Hildegard Knef

„Mir sollten sämtliche Wunder begegnen“ – ein zeitloser Hildegard-Knef-Abend

Mit Ursula Gaisa (voc, Singende Säge), Eberhard Geyer (p, voc) und Annette Ebmeier (rez, voc)

Alraune, Sünderin, Ninotschka: Hildegards Knefs Biografie ist so abenteuerlich wir ihre künstlerische Laufbahn zwischen Babelsberg und Hollywood. Als „die beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnete sie Ella Fitzgerald, als sie sie in den 50er-Jahren am Broadway erlebt hatte. Da kann Ursula Gaisa mithalten. In Begleitung ihres langjährigen „Hauspianisten“ Eberhard Geyer macht sie sich auf die Reise in die mal übermütige mal schwer melancholische Welt der Chansonnette und Schriftstellerin.

Begleitet werden Ursula Gaisa und Eberhard Geyer dabei zum ersten Mal von Annette Ebmeier, die Passagen aus der Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ lesen wird und so einen roten Faden durch das Programm weben wird.

In kantig-schönen Zeilen wie “das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei” fasste Hildegard Knef die kollektive Volksseele der Wirtschaftswunderzeit in Worte, die auch heute noch ihre zeitlose Gültigkeit besitzen. Wie wenige andere vor ihr schafft sie es, den Menschen aus dem Herzen zu sprechen und dabei nahe und antastbar zu bleiben. “Ich kenne die heutige Zeit nicht sehr gut. Genauso wenig, wie ich damals meine Zeit kannte. Ich kenne nur mich und meine Reaktionen auf das, was um mich herum geschieht”, denn „so oder so ist das Leben“.

„Im Wechsel von Gesang und Lesung entstand ein plastisches Porträt der Knef und ihrer Zeit, mit hohem Wiedererkennungswert, aber auch mit einigen überraschenden Momenten. (…)Wie witzig, präzise und wortgewaltig Hilde Knef doch schreiben konnte. Lustige Verslein im Ringelnatz-Stil – über Fische mit Neuralgie oder eine irritierte Auster, die aus Unzufriedenheit eine Perle gebiert – hatte Knef ebenso drauf wie die lakonische Erinnerung an das Verschwinden ihrer jüdischen Mitschülerin in der Nazizeit. Das hat etwas Anrührendes, das weit über rührseligen Memorialkitsch hinausgeht. Am Ende meinte man dann doch, Berliner Luft zu schnuppern. Das begeisterte Publikum dankte mit großem Applaus.“

Mittelbayerische Zeitung vom 31. Mai 2015 zur Premiere im Turmtheater Regensburg